Zertifizierung E-Learning-gestützter Aus- und Weiterbildung
Aus Fachkompetenzen zu E-Learning in Mecklenburg-Vorpommern
Die Zertifizierung von Bildungsträgern bzw. Bildungsangeboten vermittelt den Kunden die Sicherheit einer qualitätsgeprüften Aus- und Weiterbildung. Um den Besonderheiten im E-Learning-Bereich gerecht zu werden, wählen die Qualitätsinitativen und Zertifizierungstellen verschiedene Ansätze.
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[bearbeiten] Allgemeine Betrachtung zur Zertifizierung in der Weiterbildung
Durch eine Zertifizierung macht die Weiterbildungseinrichtung deutlich, dass die Bedürfnisse und die Qualitätsansprüche ihrer Kunden im Mittelpunkt ihrer Anstrengungen stehen und dass sie systematisch daran arbeitet, diese Anforderungen zu erfüllen. Als Vorteile einer Zertifizierung können angesehen werden:
- Image- und Marketingvorteil (z.B. Vertrauensbildung)
- Externe Impulse für die eigene Arbeit durch ein Audit
- Eigenmotivation zum permanenten qualitätsgerechten Vorgehen
Allerdings können Zertifizierungen mit beträchtlichen finanziellem und zeitlichem Aufwand verbunden sein kann.
Als Nachteile einer Zertifizierung gelten:
- Kosten durch eigenes Personal (z.B. für einen Qualitätsbeauftragten) und Zertifizierungskosten
- Arbeitsaufwand und Kosten durch externe Audits und Prüfer
Letztendlich bleibt aber festzustellen, dass eine Zertifizierung von Bildungsträgern bzw. Bildungsangeboten zum einen den Lernenden die Sicherheit bietet, ein qualitativ hochwertiges Kursangebot wahrzunehmen. Zum anderen kann der Bildungsanbieter guten Gewissens für gute Qualität werben und sich damit von Mitbewerbern gegebenenfalls unterscheiden.
Eine Zertifizierung im Bereich der Weiterbildung ist zur Zeit u.a. folgendermaßen möglich:
- Zertifizierung nach ISO 9000 ff.
- Die Grundsätze der ISO 9000 ff. werden in allen Einrichtungen mehr oder weniger beachtet. Die Norm fordert lediglich eine Dokumentation der Prozesse.
- Anerkennung als Träger der beruflichen Weiterbildung
- Bildungseinrichtungen, die den Qualitätsanforderungen der Bundesagentur für Arbeit gerecht werden wollen, müssen zudem das Verfahren zur Anerkennung sowie zur Zulassung von Trägern und Maßnahmen der beruflichen Weiterbildung nach dem Dritten Buch Sozialgesetzbuch AZWV (Anerkennungs- und Zulassungsverordnung – Weiterbildung) durchlaufen. Ähnliche Anerkennungsverfahren gibt es auch auf Ebene einzelner Bundesländer. Dabei werden bereits die organisationalen Voraussetzungen der Bildungseinrichtungen geprüft. Qualitätsmanagement in der Weiterbildung dient hier also vorrangig der Verbesserung der Unternehmensorganisation und der Ablaufprozeduren.
- Zulassung durch die Zentralstelle für Fernunterricht
- Die staatliche Zentralstelle für Fernunterricht (ZfU) beurteilt die Gesamtqualität von Fernlerngängen. ::Die Zulassungspflicht gilt auch für Bildungsangebote mit einem E-Learning-Anteil von über 50 %. Geprüft wird hier nur das konkrete Endprodukt.
- Mit dieser Art der Prüfung kann man jedoch dem Wesen der flexiblen, modularisierten, bedarfs- und zielgruppengerechten, schnell zu aktualisierende E-Learning-Bildungsangebote nicht gerecht werden. Das Kostenmodell (mind. 950 € oder 150% des Verkaufspreises für einen Fernlehrgang) geht an der Realität der E-Learning-Angebote vorbei. Die öffentliche Diskussion darüber ist noch im Gange.
Diese Zertifizierungen bzw. Zulassungsverfahren werden den Besonderheiten des E-Learning nicht gerecht, weil es sich bei der Entwicklung von Bildungsangeboten mit E-Learning-Komponenten um einen interdisziplinären, arbeitsteiligen Prozess handelt. Die Qualität von Bildungsangeboten mit E-Learning-Komponenten wird durch verschiedene Faktoren in vielerlei Hinsicht beeinflusst, so dass vorhandene Zertifizierungsverfahren für den Bereich der Weiterbildung nicht mehr ausreichend greifen.
[bearbeiten] E-Learning-Qualitätisinitiative und Qualitätsansätze
[bearbeiten] Qualitätsinitiativen
Q.E.D Qualitätsinitiative E-Learning in Deutschland Q.E.D. Informationen unter: www.qed-info.de[1]
Die Q.E.D. befasst sich mit der Qualität der Aus- und Weiterbildung unter besonderer Berücksichtigung von E-Learning. Es wird gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie. Das Q.E.D. - Teilprojekt "Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung" wird von der Universität Duisburg-Essen geleitet, Laufzeit: 09/2004 - 08/2007. Hier erfolgte die Entwicklung eines Tools zur Unterstützung von Anwendern bei der Umsetzung von Qualitätsstandards und ihrer Integration in bestehende Bildungs- und Geschäftsprozesse (dokumentations- und entscheidungsunterstützendes System).
D-ELAN
Deutsches Netzwerk der E-Learning-Akteure e.V., Informationen unter: www.d-elan.org[2]
Die Interessenvertretung der E-Learning-Branche setzt sich seit ihrer Gründung nachdrücklich für Qualität und Business Excellence im E-Learning ein und hat dies auch als Satzungsziel festgeschrieben. Insbesondere der Fachausschuss Qualität des Netzwerkes beschäftigt sich mit Qualitätsstandards, Qualitätsmanagement und Qualitätsentwicklung im E-Learning.
EQO
European Quality Observatory (EQO), Informationen unter: www.eqo.info[3]
Das EQO beschäftigt sich als EU-gefördertes Projekt mit allen Aspekten der Qualität beim E-Learning auf europäischer Ebene. EQO beobachtet europaweit die Ansätze für E-Learning-Qualität, vergleicht diese, klassifiziert sie und ermöglicht so eine transparenten Überblick über die europäische Entwicklung auf diesem Gebiet. Das EQO zielt in seiner Arbeit darauf ab, eine konzeptuelle Rahmenstruktur für die Beschreibung und Harmonisierung der Qualitätsansätze anzubieten, einen Aufbewahrungsort im Internet für Qualitätsverwaltung, Qualitätsgarantie und Qualitätsbewertung im Bereich des E-Learning einzuführen sowie Empfehlungen für den Nutzen von Qualitätsverwaltung, Qualitätsgarantie und Qualitätsbewertung für verschiedene Zielgruppen und besondere Nutzer bereitzuhalten.
[bearbeiten] Weitere Qualitätsansätze
EFQM
European Foundation for Quality Management (EFQM), Informationen unter: www.deutsche-efqm.de[4]
Die EFQM mit Sitz in Brüssel hat ein Netzwerk mit europäischen Qualitätsgesellschaften in über 20 europäischen Ländern aufgebaut. Das Deutsche EFQM Center (DEC) unterstützt in Deutschland die Vision und Mission der EFQM als treibende Kraft für exzellentes Management in Unternehmen und Organisationen. Gemeinsame Basis für die Arbeit der Qualitätsgesellschaften ist das EFQM-Modell für Excellence. Dieses ist ein Total Quality Management Modell (TQM) und ein Werkzeug, das Hilfestellung für den Aufbau und die kontinuierliche Weiterentwicklung eines umfassenden Managementsystems gibt. Es soll helfen, eigene Stärken, Schwächen und Verbesserungspotenziale zu erkennen und die Unternehmensstrategie darauf auszurichten. Das EFQM Modell bildet auch die Grundlage zur Vergabe des Europäischen Qualitätspreises sowie des deutschen Ludwig-Erhard-Preises.
DIN EN ISO 9001
Mit der Normenreihe EN ISO 9000ff sind Normen geschaffen worden, welche die Grundsätze für Maßnahmen zum Qualitätsmanagement dokumentieren. Gemeinsam bilden sie einen zusammenhängenden Satz von Normen für Qualitätsmanagementsysteme. EN ISO 9001 legt die Anforderungen an ein Qualitätsmanagementsystem (QM-System) fest, mit dem Unternehmen/Einrichtungen ihre Fähigkeit darlegen können, Produkte anzubieten, welche die Anforderungen der Kunden und allfällige behördliche Anforderungen erfüllen.
DIN-PAS 1032-1:2004
Die DIN-PAS 1032-1:2004 „Aus- und Weiterbildung unter besonderer Berücksichtigung von e-Learning - Teil 1: Referenzmodell für Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung - Planung, Entwicklung, Durchführung und Evaluation von Bildungsprozessen und Bildungsangeboten“ wurde beim DIN Deutsches Institut für Normung e.V., Referat Entwicklungsbegleitende Normung von der Arbeitsgruppe "Qualität im E-Learning" mit Fachexperten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz erarbeitet und war Grundlage für die Formulierung der internationalen Norm ISO/IEC 19796-1:2005.
DIN-PAS 1037:2004
Die DIN-PAS 1037:2004 mit dem Titel „Anforderungen an Qualitätsmanagementsysteme von Organisationen der wirtschaftsorientierten Aus- und Weiterbildung: QM STUFEN-MODELL“ stellt ein zertifizierbares Anforderungsmodell für das Qualitätsmanagement in Aus- und Weiterbildung bereit.
ISO/IEC 19796-1:2005
Der erste Teil dieser ISO „Informationstechnik - Lernen, Ausbilden und Weiterbilden - Qualitätsmanagement, -sicherung und -metriken" beruht auf der DIN-PAS 1032-1:2004 und bietet einen allgemeinen Rahmen, der von E-Learning-Anbietern für die Einführung von Qualitätsansätzen verwendet werden kann. Durch eine schlüssige Bestandsaufnahme der unterschiedlichen Prozesse, welche die E-Learning-Qualität beeinflussen, vereinheitlicht die Norm das Qualitätskonzept auf internationaler Ebene. Diese Prozesse umfassen von der regelmäßigen Bedarfsanalyse bis zur stetigen Optimierung alle E-Learning-Anwendungsszenarien (Schaffung von Inhalten und Werkzeugen, Erbringung von Dienstleistungen, Lernen und Ausbilden, Überwachung und Bewertung, Lebenszyklusstadien).
[bearbeiten] Zertifizierung von E-Learning-Prozessen bzw. -Produkten
E-Learning ist ein komplexer interdisziplinärer Prozess. Qualität wird erreicht, wenn sich Akteure verschiedener Fachdisziplinen mit ihren Kompetenzen an der Entwicklung und Durchführung der E-Learning-Bildungsangebote beteiligen. Die angestrebte Modularisierung und Wiederverwendbarkeit sowie die damit verbundene Standardkonformität und stringente Einhaltung der Produktionslinien erfordern Qualitätssicherungsmaßnahmen, welche über das Qualitätsmanagement für klassische Bildungsangebote weit hinausgehen.
Mit der DIN PAS 1032-1 als deutsches Referenzmodell und der ISO/IEC 19796-1 als internationales Referenzsystem für die Beschreibung von Qualitätsansätzen im E-Learning liegt eine harmonisierte Beschreibung des E-Learning-Prozesses für die Planung, Entwicklung, Einführung und Evaluierung von Bildungsangeboten mit E-Learning-Komponenten einschließlich aller denkbaren Einflussgrößen vor. Anhand dieser Qualitätsrichtlinien kann nun mittels eines Qualitätsmanagementsystems bzw. unter Einführung eines Vorgehensmodells die Qualität der E-Learning-Prozesse sichergestellt und nachgewiesen werden.
[bearbeiten] Vergleich von Ansätzen zur Qualitätsicherung E-Learning-gestützter Aus- und Weiterbildung
In der Studie "Empfehlungen zur Zertifizierung E-Learning-gestützter Aus- und Weiterbildung in Mecklenburg-Vorpommern" [5] (vom Januar 2007) wurden 13 Qualitätsansätze nach 13 Merkmalen untersucht.
Untersucht wurden folegnde 13 Ansätze:
- Qualitätssiegel eLearning QSeL [6]
- TUD Gütesiegel [7]
- Produktprüfung des WebKollegNRW [8]
- Comeniussiegel [9]
- ZFU - Zulassung [10]
- RKW QM Stufen-Modell [http:// www.qm-online-forum.de]
- Hamburger Modell [11]
- Staatlich anerkannte Einrichtung der Aus- und Weiterbildung entsprechend dem Weiterbildungsgesetz Mecklenburg-Vorpommern [12]
- ZAW – Qualitätssiegel des Zentralverbandes für Aus- und Weiterbildung in Mecklenburg-Vorpommern e.V. [13]
- BQM – Bildungs-Qualitäts-Management [14]
- LQW Lernerorientierte Qualitätstestierung in der Weiterbildung [15]
- QES plus Qualitätsentwicklungssystem für Weiterbildungseinrichtungen [16]
- Gütesiegelverbund Weiterbildung [17]
Verglichen wurden folgende 13 Merkmale:
- Gegenstand der Bewertung
- E-Learning-Bezug
- Gültigkeitsbereich
- Art des Qualitätssiegels und Grundlage der Zertifizierung
- Vergabestelle
- Prüfstelle
- Zugangsvoraussetzungen
- Mindestanforderungen
- Gültigkeitsdauer
- Kosten
- Dauer
- Beratung
- Notwendige Dokumente
- Interne Qualifizierung
Die recherchierten Zertifizierungsansätze und Qualitätsmanagement-Modelle mit ihren Motiven und Zielen schließen sich nicht gegenseitig aus. Sie weisen aber einige sehr wesentliche Unterschiede auf. Zum Einen berücksichtigen nicht alle recherchierten Modelle die Lernform E-Learning und deren besonderes komplexe Entwicklungs- und Durchführungsprozesse. Zum Anderen stehen bei der Beurteilung entweder die Qualitätsaspekte auf institutioneller Ebene oder die Qualitätsaspekte im Produktbereich im Mittelpunkt. Die recherchierten Zertifizierungsmodelle lassen sich nach folgenden Kriterien klassifizieren:
- Zertifizierung von Bildungsanbietern oder von Bildungsangeboten
- Bezug zur Weiterbildung allgemein oder zum E-Learning speziell
- Gültigkeitsbereich regional, deutschlandweit oder EU-weit
Diese folgende Grafik stellt die drei Zusammenhänge dar:
Die untersuchten Ansätze/Modelle zur qualitativen Bewertung sind in der Weiterbildungsbranche selbst entstanden und auf die Bedarfe von Weiterbildungseinrichtungen zugeschnitten. Einige ähneln sich in ihrer Grundstruktur und in ihren Anforderungen. Dennoch gibt es Unterschiede bspw. hinsichtlich des Geltungsbereiches. Auch die Werteorientierung und das Selbstverständnis spielen darin eine mehr oder weniger bedeutende Rolle. Einige Modelle konzentrieren sich besonders auf den Prozess und seine Optimierung, andere haben eher das Bildungsangebot selbst als Produkt im Fokus. Die vorhandenen Ansätze mit einem Bezug zum E-Learning (mit Ausnahme des noch nicht recht etablierten QseL) sind rein produkt-, aber nicht prozessorientiert. Insofern stellt eine Zertifizierung nach dem Vorgehensmodell ELQ einen deutlichen Mehrwert gegenüber den bisherigen Ansätzen dar, was für eine rasche Etablierung einer Zertifizierung spricht.
[bearbeiten] DELZERT eine neue Qualitätsplattform
Die „Qualitätsplattform Lernen“ ist ein praxisorientiertes Instrument zur Qualitätssicherung in der Bildungsbranche. Entwickelt wurde es von den Experten der „DELZert Deutsche E-Learning Zertifizierungsgesellschaft GbR“. Das DELZert-Team arbeitet in verschiedenen Normengremien für Bildungsqualität mit. Es war an der Entwicklung und Verabschiedung der international gültigen ISO/IEC 19796-1, der PAS 1032-1, 1932-2, PAS 1068 und anderen Qualitätsstandards und Qualitätsspezifikationen maßgeblich beteiligt.
Das Konzept basiert auf einem mehrstufigen Verfahren, welches sowohl für die Zertifizierung von Bildungsangeboten und als auch für Bildungsanbieter und Organisationen eingesetzt werden kann.
Weitere Informationen auf der Webseite unter http://www.delzert.de/
[bearbeiten] Ansprechpartner
Ein Ansprechpartner zu diesem Thema ist Birgitt Achinger (LiNK MV).
