SCORM
Aus Fachkompetenzen zu E-Learning in Mecklenburg-Vorpommern
SCORM ist eine Abkürzung für Sharable Content Object Reference Model, also einem Referenzmodell für Architekturen, die eine Verwendung und Wiederverwendung von e-Learning Inhalten über verschiedene Lernumgebungen und Produkte hinweg ermöglichen. SCORM ist das unmittelbare Arbeitsergebnis der Initiative Advanced Distributed Learning (ADL) des US-amerikanischen Verteidigungsministeriums. Dieses Referenzmodel stützt sich auf Spezifikationen, die von anderen Gremien, wie IMS, AICC oder ARIADNE erarbeitet wurden.
Damit liegt ein Modell vor, welches mehrere Einzelspezifikationen integrativ in sich vereint. In der vorliegenden Version SCORM 2004 gibt es:
- eine XML - basierte Spezifikation zur Darstellung von Lerninhaltsstrukturen, so dass diese ohne Einschränkungen in unterschiedlichen Lernumgebungen verwendet werden können,
- eine Spezifikation für eine Laufzeitumgebung einschließlich eines definierten Befehlssatzes (API), welche einen Datenaustausch zwischen Lerninhalt und Lernmanagementsystem zur Laufzeit ermöglicht,
- eine Spezifikation zur Festlegung von Metadaten über Lerninhalte, die eine Recherche in Kursdatenbanken möglich machen.
- eine Spezifikation zur Festlegung des Ablaufs und der Steuerung einer Kurspräsentation (Sequencing) in Abhängigkeit vom Anwenderverhalten und dessen Lernergebnissen.
SCORM erfüllt heute noch nicht alle Anforderungen, die im Bereich des e-Learning vorstellbar sind. Aber durch die erreichten und bereits nutzbaren bisherigen Ergebnisse sowie die beständige Weiterentwicklung wird SCORM immer mehr zur Grundlage künftiger e-Learning-Entwicklungen und -Szenarien.
Inhaltsverzeichnis |
[bearbeiten] Kurzübersicht
Es existiert eine Menge von Standards, Spezifikationen und Empfehlungen, die von unterschiedlichen Gremien für unterschiedliche Aspekte internetbasierter Ausbildungssysteme entwickelt wurden. Lange Zeit fehlte jedoch ein Referenzmodell, wie diese Spezifikationen in Ausbildungssystemen und Autorensystemen integrativ verwendet werden können. Im Herbst 1997 wurde durch das Department of Defence (DoD) und White House Office of Science and Technology Policy (OSTP) die Initiative Advanced Distributed Learning (ADL) ins Leben gerufen. Ziel dieser Initiative ist die Entwicklung von Standardempfehlungen zur Nutzung von Lern- und Informationstechnologien bei Ausbildung und Training.
Ein wichtiges Ergebnis dieses Gremiums ist die Erarbeitung des Sharable Content Object Reference Model (SCORM). SCORM ist eine Menge miteinander in Beziehung stehender technischer Spezifikationen auf Basis der Entwicklungen durch IMS, ARIADNE, IEEE, und AICC, die ein einheitliches Modell zur Beschreibung von webbasierten Lehr- und Lerninhalten darstellen. Diese Spezifikationen sollen eine Mehrfachnutzung von webbasierten Lerninhalten über verschiedene Lernumgebungen und Produkte hinweg ermöglichen. Maßgebende Richtlinien bei der Entwicklung des Modells, die auf gewünschte Eigenschaften von Lernsoftware abzielen, sind der einfache Zugriff (Accessability), die einfache Adaptierbarkeit (Adaptability), unkomplizierte Verwendung in verschiedenen Umgebungen (Interoperability), Beständigkeit gegenüber Weiterentwicklungen (Durability), Mehrfachnutzbarkeit (Reusability), und Erschwinglichkeit (Affordability).
SCORM wurde im Oktober 2001 in der weit verbreiteten Version 1.2 herausgegeben und entwickelte sich zu einem Industriestandard mit allgemeiner stetig wachsender Anerkennung. Seit Januar 2004 gibt es die Version SCORM 2004, die nach der Vorstellung von ADL für einen längeren Zeitraum aktuell sein wird.
[bearbeiten] SCORM 2004
Das Referenzmodell SCORM ist eine Menge miteinander in Beziehung stehender technischer Spezifikationen, die jede einen Teilaspekt des Gesamtmodells realisieren. Das Gesamtmodell beschreibt Methoden zur Strukturierung von Kursmaterialien und deren Verwendung in Lern-Management-Systemen. SCORM 2004 wurde in vier Dokumenten herausgegeben, die folgende Spezifikationen enthalten:
- SCORM Content Aggregation Model
XML-basierte Spezifikation zur Beschreibung einer Kursstruktur; Beschreibung, wie man Lernmaterialien strukturiert, Einzelressourcen zu Kursmaterialien zusammenfügt und diese als Archiv aufbereitet, so dass sie von unterschiedlichen Lernumgebungen importiert bzw. zwischen diesen ausgetauscht werden können.
- SCORM Runtime Environment
Spezifikation des Datenaustauschs zwischen Kursmaterialien und einem Lern-Management-System zur Laufzeit einschließlich einer API; Beschreibung, mit welchen Befehlen und auf Basis welchen Datenmodells man in SCORM-konformen Umgebungen Informationen, z.B. über Lerneraktivitäten, erfassen oder auswerten kann.
- SCORM Meta-Data Model
Spezifikation eines Metadatenmodells, auf dessen Basis eine Recherche in Kursbibliotheken erfolgen kann.
- SCORM Sequencing and Navigation
Spezifikation zur Steuerung der Abfolge von Lerneinheiten in Abhängigkeit vom Anwenderverhalten und bisherigen Lernergebnissen.
In weiteren Dokumenten beschreibt ADL Anforderungen bezüglich der Konformität von Lernmaterialien und Lern-Management-Systemen zu SCORM.
[bearbeiten] Stand und Perspektiven
Das Referenzmodell SCORM wurde in der Vergangenheit ständig weiterentwickelt und liegt nun in einer recht ausgereiften Version SCORM 2004 vor. Nach Vorstellung der ADL soll diese Version nun in der Praxis zunächst breite Anwendung finden und etabliert werden. Man möchte über einen längeren Zeitraum Anwendungserfahrungen sammeln, bevor diese wiederum in das Modell einfließen werden.
ADL setzt drei wichtige Instrumente ein, die es einer breiteren Anwendergemeinde möglich machen, den Entwicklungsprozess mitzuverfolgen und mitzugestalten. Das ist zum einen die ADL Website mit ständig aktualisierten Informationen, Diskussionsforen und Möglichkeiten zum Dokument - Download. Zusätzlich veranstaltet ADL sogenannte Plugfests. Forscher, Entwickler und Anwender treffen sich dazu in regelmäßigen Abständen zu Diskussionen und zur praktischen Demonstration neuer Technologien und Programme rund um SCORM. Als drittes Instrument existieren innerhalb eines Netzwerks verschiedene ADL Co-Labs. Diese Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen übernehmen Koordinierungsaufgaben, entwickeln Referenzimplementationen und Anwendungsrichtlinien für SCORM und sie übernehmen auch Aufgaben der Konformitätsbewertung.
Den Entwicklungsverlauf und einige Zukunftsperspektiven zeigen die folgende Tabelle und Grafik.
| Zeitraum | Entwicklung |
|---|---|
| November 1997 | ADL Kick-off Meeting |
| März 1999 | Strategieplan wird dem amerik. Kongress vorgelegt |
| April 1999 | Einrichtung des ADL Co- Lab in Alexandria |
| Januar 2000 | Release Version 1.0 des SCORM |
| Juni/August/November 2000 | 1., 2. und 3. Plugfest mit Schwerpunkt auf der Demonstration von Anwendungen und Produkten, die SCORM 1.0 unterstützen |
| Januar 2001 | Release Version 1.1 des SCORM |
| Mai/Juni 2001 | 4. Plugfest mit Schwerpunkt auf Entwicklungen zum IMS Content Packaging |
| Oktober 2001 | Release Version 1.2 des SCORM |
| November 2001 | 5. Plugfest mit Diskussionen des SCORM 1.2 |
| April 2002 | Einrichtung der ADL Partnerschaft mit Großbritannien über ein Co- Lab |
| Juli/August/Dezember 2002 | 6. und 7. Plugfest mit Schwerpunkt auf Entwicklungen zum IMS Simple Sequencing, Best - Practise Beispielen für Content |
| April 2003 | Release der Draft Version 1.3 des SCORM |
| Oktober 2003 | 8. Plugfest, Anwendungserfahrungen und erste Implementationen für SCORM Draft Version 1.3 |
| Januar 2004 | Release Version 1.3, SCORM 2004 |
| Februar 2004 | 1. Internationales SCORM Plugfest, Diskussion zu internationalen Anforderungen und Strategien, Förderung internationaler Anwendung des Modells |
| Februar 2005 | 9. Plugfest, Produktdemonstrationen und Best Practice - Beispiele der Anwendung von SCORM 2004 |
ADL Authoring Tools Investigation Report
ADL arbeitet eng mit Entwicklern von Lernsoftware und Werkzeugen zu deren Erstellung zusammen. Zur Bereicherung dieser Zusammenarbeit stellt ADL einen Untersuchungsbericht zu Autorenwerkzeugen zur Verfügung. In diesem Bericht werden Methoden erläutert, die bei der Bewertung von Systemen auf SCORM Konformität angewandt werden.
ADL Zertifizierung Über das Academic ADL Co-Laboratory in Madison, Wisconsin bietet ADL eine Zertifizierung von Lern-Management-Systemen und Lerninhalten nach SCORM an. Weitere und aktuelle Informationen finden Sie auf der ADL Website (ADL Certification Program) und der Website des Co-Labs. [1]
ADL SCORM Adopters ADL unterhält ein Partnerprogramm für Einrichtungen und Produktanbieter, die SCORM unterstützen. Durch Nachweis der Konformität seiner Produkte über einen Selbsttest und die Registrierung bei ADL kann jeder Anbieter in dieses Partnerprogramm aufgenommen werden. SCORM Adopters werden auf der ADL Website mit recht umfangreichen Zusatzinformationen aufgelistet.
[bearbeiten] Ressourcen, Literatur und Referenzen
- Advanced Distributes Learning Initiative (ADL) [2]
- The SCORM Implementation Guide: a Step-by-Step Approach (Ressources)
- Alexandria ADL Co-Laboratory (Alexandria, Virginia)
- Zentrale Organisation zur Anleitung, Koordinierung und Integration der verschiedenen Partner im ADL Co-Lab Network
- Entwicklung, Verfeinerung und Verbesserung der Spezifikationen und Richtlinien und Bewertung von Softwarewerkzeugen und Prototypen, gemeinschaftliche Verwertung von Ressourcen, Sammlung und Begutachtung von Rückmeldungen aus der Praxis, Entwicklung von Tutorials und praktischer Demonstrationen sowie andere Angebote zur Unterstützung für alle Partner
- Academic ADL Co-Laboratory (Madison, Wisconsin) [3]
- Unterstützung der Anwendung von ADL Richtlinien in zivilen Bereichen, wie Ausbildungseinrichtungen und Universitäten und Industrie
- Zertifizierung von SCORM konformen Produkten
- Joint ADL Co-Laboratory (Orlando, Florida) [4]
- Unterstützung der Anwendung von ADL Richtlinien in militärischem Umfeld
- Carnegie Mellon, Learning Systems Architecture Lab: SCORM Best Practices Guide for Content Developers [5]
[bearbeiten] Ansprechpartner
Ein Ansprechpartner zu diesem Thema ist Dr. Volker Gries (ANOVA Multimedia Studios GmbH).
