Lern-Management-System

Aus Fachkompetenzen zu E-Learning in Mecklenburg-Vorpommern

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Ein Lern-Management-System (LMS) ist eine serverbasierte Software, die als Hauptaufgabe beliebige Lerninhalte über das Internet vermitteln hilft und die Organisation der dabei notwendigen Lernprozesse unterstützt. Bei der Einführung von E-Learning in eine Organisation sind verschiedene Technikfragen zu beantworten. Häufig steht dabei die Auswahl eines LMS im Vordergrund, weshalb dieses Thema hier behandelt werden soll.

Inhaltsverzeichnis

[bearbeiten] Basisfunktionalität

Es gibt heute eine Vielzahl von Lern-Management-Systemen. Dabei hat sich eine gewisse Basisfunktionalität herausgebildet, die viele moderne Lern-Management-Systeme in dieser oder jener Form aufweisen:

  • Anwenderverwaltung in Rollen (z.B.Kursteilnehmer, Tutor, Bildungsanbieter, Administrator)
  • Kurs- und Dokumentenverwaltung (Organisation und Verwaltung von Kursen/Lernmaterialien/Aufgaben, Downloads, Kursteilnehmer-Verwaltung, Angebot aktueller Informationen, Tutorenplanung,...)
  • Kommunikationsfunktionen (Mailinglisten, Forum, Chat,..)
  • Funktionen zur Lernerfolgskontrolle (Übungen, Tests, Umfragen,...)
  • Standardkonformität bei der Verwaltung von Lerninhalten (SCORM)

[bearbeiten] Auswahl eines Lern-Management-Systems

Das unterschiedliche Verständnis darüber, welche Softwaresysteme man als Lern-Management-System bezeichnet, hat stark variierende Zahlenangaben über die am weltweiten Markt tatsächlich angebotenen Produkte zur Folge. Schätzungen reichen von einigen Dutzend bis zu mehreren hundert Produkten. Alle Plattformen verfügen über unterschiedliche Merkmale und Funktionen. Damit stehen potentielle Anwender vor der Frage, welches System für die jeweiligen Ansprüche geeignet ist. Es gibt eine Reihe von vergleichenden Studien und Rezensionen für LMS. Sehr bekannt geworden sind die Studie im Auftrag des Zukunftsministeriums Österreichs bm:bwk und das Projekt EVA:LERN, eine Evaluation von Plattformen für Hamburger Hochschulen.

[bearbeiten] Praktische Vorgehensweise

Aus der Evaluationstheorie sind die folgenden Schritte bekannt, die zu einer Bewertung von Systemen führt (Scriven 1991). Das Verfahren eignet sich grundsätzlich für die Evaluation technischer Systeme, u.a. für Lern-Management-Systeme, aber auch für Autorensysteme.

  1. Formulierung von Wertkriterien: In der ersten Phase einer Evaluation werden die Kriterien ausgewählt und definiert, die das untersuchte System erfüllen muss, um positiv bewertet zu werden.
  2. Formulierung von Leistungsstandards: Für jedes einzelne Kriterium wird eine Norm definiert, die das untersuchte System erfüllen muss, damit das Kriterium als erfüllt angesehen werden kann (Operationalisierung).
  3. Messung und Vergleich: Nun wird das untersuchte System an Hand jedes Kriteriums untersucht, gemessen und mit den jeweils vorgegebenen Leistungsstandards verglichen.
  4. Werturteil (Synthese): In dieser letzten und wohl schwierigsten Phase von Evaluationen müssen die verschiedenen Ergebnisse zu einem einheitlichen Werturteil integriert werden.

Es gibt unterschiedliche Methoden, wie eine Evaluation in der Praxis ablaufen kann.

[bearbeiten] Kriterienkataloge

Ein sehr beliebtes Verfahren bei der Evaluation von technischen Systemen ist der Einsatz von Kriterienkatalogen. Hierbei werden die zu evaluierenden Kriterien zu Katalogen, häufig in Form von Prüflisten, zusammengestellt. Die Evaluation wird durchgeführt, indem die Prüflisten für jedes zu untersuchende System schrittweise abgearbeitet werden.

  • Eine solche Evaluation ist zeit- und damit kostensparend, da z.B. entsprechende Prüflisten oft schon irgendwo angeboten werden.
  • Das Verfahren ist relativ einfach zu organisieren, da die zu evaluierenden Systeme häufig nicht an ihrem Einsatzort, sondern an Hand von Demos, Datenblättern und anderen Informationsmaterialien bewertet werden können.
  • Das Verfahren erscheint "methodisch sauber" und objektiv, da die Evaluation durch ständige Wiederholung der gleichen Schritte für jedes untersuchte System abläuft.

Das Verfahren hat aber auch einige Nachteile, die man beim Einsatz bedenken sollte.

  • Auch wenn Kriterienkataloge manchmal einen nicht unerheblichen Umfang aufweisen, bleibt der ständige Verdacht bestehen, dass sie eventuell unvollständig sein könnten. Dieses Problem entsteht durch die Schwierigkeit, bei der Formulierung von Wertkriterien und Leistungsstandards einen geeigneten Detaillierungsgrad zu finden.
  • Häufig kann man Einzelkriterien nicht lösgelöst voneinander bewerten. Das Problem löst man, indem man neue Kriterien einführt, die zwei Einzelkriterien kombinieren. Damit kommt es leicht zu einer "kombinatorischen Explosion", die zu Kompromissen zwingt.
  • Ein weiterer Kritikpunkt liegt in den fehlenden oder strittigen Gewichtungsverfahren.

Durch Gewichtung wird die relative Wertigkeit aller Beurteilungskriterien zueinander festgelegt.

[bearbeiten] Andere Verfahren: Rezensionen, Vergleichsgruppenbildung, Expertenurteil

Ein weiteres ebenfalls sehr einfaches Verfahren ist die Auswertung von Rezensionen. Eine Rezension ist eine kritische Beschreibung in Form eines Artikels in einer Zeitschrift oder einem Ratgeber. Rezensionen sind zwar ebenso einfach durchführbar und damit billig, wie Kriterienkataloge. Eine vergleichende Betrachtung innerhalb einer Evaluation einzelner Systeme ist mittels Auswertung von Rezensionen aber erschwert, weil Rezensionen uneinheitlich durchgeführt werden und Schwerpunktsetzungen von den Autoren der Rezensionen subjektiv gewählt werden.

Eine Evaluation ist auch mit Hilfe der Methode der Vergleichsgruppen durchführbar. Dazu teilen Sie die Anwender der zu untersuchenden Systeme in Gruppen. Die Gruppenzuordnung sollte so erfolgen, dass sich die Gruppen in allen Merkmalen ähneln, mit Ausnahme des Merkmals, welches bei der Evaluation untersucht werden soll. Die Anwender der Gruppen beurteilen dann beispielweise mittels Fragebögen die zu untersuchenden Systeme. Durch Auswertung der Fragebögen kommt man zu den gewünschten Evaluationsergebnissen. Evaluationen auf Basis von Vergleichsgruppen haben einen großen Erhebungs- und Auswertungsaufwand und die Isolierung einzelner zu untersuchender Merkmale ist schwierig.

Eine weitere Möglichkeit wäre die Einbeziehung von Expertenurteilen. Dieses Verfahren stützt sich auf Erfahrung von Experten. Die Evaluation ist demnach sehr praxisnah. Ein Problem ist hier allerdings die Verlässlichkeit der Ergebnisse. Nicht selten erhält man von verschiedenen Experten unterschiedliche Ergebnisse.

[bearbeiten] Schlussfolgerungen

Nach Abwägung von Vorteilen und Nachteilen der genannten Verfahrensweisen und den Erfahrungen der genannten Studien lässt sich ein grundsätzlicher methodischer Ansatz bei der Evaluation von Lehr- und Lernplattformen extrahieren, der die unterschiedlichen Evaluationsmethoden kombiniert verwendet. Eine Evaluation ist hiernach ein mehrstufiger Auswahlprozess mit folgenden Schritten:

  1. Bestimmung der Ziele und Rahmenbedingungen (Zielgruppe, Einsatzszenarien, finanzielle Mittel usw.)
  2. Aufstellung eines Kriterienkatalogs mit allgemeinen Bewertungskriterien, Definition von K.O. – Kriterien
  3. Gewichtung von Kriterien gemäß der Ziele und Rahmenbedingungen
  4. Vorauswahl von Produkten auf Grund der K.O. - Kriterien
  5. Evaluation von Produkten und Festlegung einer Reihenfolge
  6. Für gemäß der festgelegten Reihenfolge ausgewählte Produkte:
    1. Produktvorführungen
    2. Testinstallationen
    3. Usebility – Tests
    4. Einholen des Expertenurteils und Berücksichtigung von Rezensionen
    5. Weitere...
  7. Entscheidungsfindung

Diese Vorgehensweise bildete die Grundlage der Studie für das bm:bwk (Baumgartner 2002).

Es gibt auf dem Markt für Lehr- und Lernplattformen kein unangefochtenes Spitzenprodukt, nicht die beste Plattform. Bei der Auswahl eines Systems für ein bestimmtes Bildungsangebot an einer entsprechenden Einrichtung oder in einem Unternehmen sind eigene Evaluationen anhand selbst aufgestellten Anforderungen erforderlich.

[bearbeiten] Literatur und Referenzen

  • Begriff Lernplattform [1]
Ausführliche Begriffserklärung in Wikipedia
  • Peter Baumgartner, Hartmut Häfele, Kornelia Maier-Häfele: E – Learning Praxishandbuch: Auswahl von Lernplattformen, Marktübersicht - Funktionen – Fachbegriffe, Studienverlag, 2002, ISBN: 3-7065-1771-X
  • Rolf Schulmeister: Lernplattformen für das virtuelle Lernen, Evaluation und Didaktik, Oldenbourg Verlag, 2003, ISBN: 3-486-27250-0
  • Michael Scriven: Introduction: The Nature of Evaluation, in: Evaluation Thesaurus, ed. M. Scriven, 4th ed. Newbury Park: SAGE. 1-43. 1991
  • Auswahl von Lernmanagementsystemen, E-Learning Podcast aus Mecklenburg-Vorpommern, Sendung 14, [2]

[bearbeiten] Beispiele für Lern-Management-Systeme

Durch Einrichtungen aus Mecklenburg-Vorpommern wurden u.a. folgende Lern-Management-Systeme entwickelt:

  • COBiLOT [3] der ANOVA Multimedia Studios GmbH, Rostock
  • smartBLU [4] des Fraunhofer IGD Rostock
  • learnOrg [5] Learn Organizer der Telematika GmbH, Rostock

[bearbeiten] Ansprechpartner

Ein Ansprechpartner zu diesem Thema ist Dr. Volker Gries (ANOVA Multimedia Studios GmbH).

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