Gestaltung dynamischer Medien
Aus Fachkompetenzen zu E-Learning in Mecklenburg-Vorpommern
Dr. Sybille Hambach (Fraunhofer IGD Rostock)
Die Gestaltung von Multimedia-Dokumenten und Anwendungen ist erfahrungsbezogen und interdisziplinär: neben Grundkenntnissen auf den verschiedenen Fachgebieten braucht man für besondere Aufgaben meist auch Spezialisten. Das gilt besonders für dynamische Medien.
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[bearbeiten] Gestaltung von Animationen
Animation ist ein Begriff aus der Trickfilmtechnik und war ursprünglich das »Beleben« unbelebter Objekte durch Aneinanderreihung einzelner Bildsequenzen, um einen Eindruck von Bewegung zu vermitteln. Bewegung in Form von Animation ist eine kontinuierliche Informationsart, die Informationen in schematischer Form visuell darstellt. Dabei entsteht für den Betrachter der Eindruck, dass sich Elemente der Darstellung bewegen bzw. verändern.
Anschaulich ausgedrückt: Animation ist eine Art »Daumenkino« mit inhaltlich aufeinander aufbauender Grafiken. Animationen werden genutzt zur schematischen Darstellung von zeitlichen Abfolgen und Zusammenhängen. Sie basieren auf dem Darstellungselement Grafik, weil die Einzelbilder aus denen die Animationen zusammengesetzt sind, in der Regel Grafiken sind. Deshalb gelten für Animationen dieselben technischen und gestalterischen Parameter wie für Grafik, allerdings kommen zeitabhängige Parameter neu hinzu.
Doch zuerst ist die Frage zu klären, wozu Animationen eingesetzt werden:
- Durch die Bewegung können Sachverhalte erläutert werden, die durch ein stehendes Bild nicht vermittelbar sind. Die Fachgebiete Didaktik, Kognitionswissenschaft und Wahrnehmungspsychologie untersuchen diesen Sachverhalt auf seine lerntheoretischen Implikationen.
- Animationen in Kombination mit Klang und Sprache können Sachverhalte noch eindrucksvoller darstellen und so besondere Effekte erzielen.
- Benutzer haben die Erwartung, dass sich etwas bewegen wird und sollten (?) nicht enttäuscht werden. Der Betrachter von Multimedia kennt diverse Möglichkeiten aus anderen Anwendungen (Zeichentrickfile, in Teilen oder komplett digital berechnete Filme) und hat entsprechende Erwartungen. Wird das Multimediasystem diesen Erwartungen nicht gerecht, gerät es schnell in den Ruf, langweilig und nicht zeitgerecht zu sein.
Durchdacht eingesetzte Animationen sind ein entscheidender Vorteil von Multimediasystemen gegenüber rein statischen Medien. Allerdings können falsch eingesetzte Animationen auch irritierend wirken: Oft lassen sich Betrachter von Webseiten bewusst oder unbewusst so sehr von Animationen ablenken, dass sie den Inhalt der Seite gar nicht erfassen können. Alles, was sich bewegt (blinkende Schrift, Werbebanner etc.) zieht die menschliche Aufmerksamkeit auf sich. Deshalb muss Bewegung sehr sparsam und bewusst eingesetzt werden.
[bearbeiten] Animationen - Gestalterische Parameter
Die gestalterischen Parameter für Animationen entsprechen den Parametern, die für Grafik bereits erläutert wurden. Hinzu kommen:
- technische Perfektion
- also die Qualität der handwerklichen Ausführung zeigt sich daran, wie viele und welche technischen Parameter, Strichdicke, Schattierunge, Texturen, 3D Effekte zur Gestaltung verwendet wurden.
- Komplexität
- also die Vielschichtigkeit der dargestellten Objekte und Abläufe
- Dramaturgie
- betrifft Fragen wie die folgenden: Was soll gezeigt werden? Wie soll es gezeigt werden? Welche Teile werden in welcher Reihenfolge bewegt? Welcher Ton wird wann und wofür eingesetzt? etc.
Die zentrale Frage, ob, wann und wie Animationen sinnvoll eingesetzt werden können ist eng verbunden mit der Dramaturgie. Für die Gestaltung von Animationen werden in Jarz 1996 einige durch Untersuchungen belegte, allgemeine Empfehlungen gegeben: Man gruppiere wesentliche Informationen durch Bewegung und stimme zusätzliche Erläuterungen mit anderen Medientypen darauf ab. Auditive Erläuterungen sind geeignet, wenn die Darstellung nur wenig komplex ist. Bei komplexeren Darstellungen verwende man textuelle Erläuterungen. Mehr Informationen zum Darstellungselement Animation finden sich in Jarz 1996 Seite 228ff.
[bearbeiten] Animationen - Technische Parameter
Als technische Parameter für Animationen sind zunächst die allgemeinen technischen Parameter Dateigröße und Darstellungsqualität zu nennen. Die weiteren Parameter Strichdicke, Strichtyp, Füllung, etc. sind allgemein bekannt.
Animationen sind zeitabhängig, deshalb gelten zusätzlich die folgenden zeitabhängigen Parameter:
- Bilder pro Sekunde
- gibt die Anzahl der in einer Sekunde zeitlich nacheinander dargestellten Bilder an. Die Anzeige von zehn Bildern pro Sekunde wird bereits als kontinuierliche Bewegung wahrgenommen, 16 Bilder pro Sekunde gelten als Echtzeit, 25 Bilder pro Sekunde sind Fernsehstandard.
- Dauer
- als zeitliche Länge der Animation. Die Dauer wird in der Regel in Sekunden angegeben.
- Geschwindigkeit
- als das Verhältnis der Abspielgeschwindigkeit zur Standardgeschwindigkeit einer Animation. Ist die Geschwindigkeit kleiner als die Standardgeschwindigkeit spricht man von Zeitlupe, ist die Geschwindigkeit größer als die Standardgeschwindigkeit spricht man von Zeitraffer.
[bearbeiten] Animationen - Dateiformate
Die einfachste Möglichkeit, Bewegung in Multimedia-Anwendungen zu bringen, bietet das Grafikformat GIF. Wie bei bereits beim Darstellungselement Grafik erläutert, lassen sich mehrere Bilder in einer Datei ablegen und dann ein- oder mehrmals hintereinander anzeigen. So entstehen kleine Filme in der Art eines Daumenkinos, die sich sehr gut für die Visualisierung einfacher Abläufe, für die Auflockerung von Inhalten oder eben auch für Werbebanner nutzen lassen.
Auch mit Flash lassen sich kleine Animationen, Produktdemonstrationen und Lernprogramme erstellen. Allerdings sind Erstellung und Ausführung der Programme an spezielle Software gebunden. Die Autorensoftware Macromedia Flash erlaubt die Kombination von Vektorgrafik mit Bildern, Audio und Videodaten. Die entstehenden Animationen werden im Format SWF (Shockwave File Format) abgespeichert und im Browser mit Hilfe eines speziellen Zusatzprogramms (Plug-In) abgespielt. Plug-Ins werden auch für andere Dateiformate genutzt: Sie sind zusätzlich zum Standardwebbrowser auf dem Rechner zu installieren und übernehmen jeweils die Anzeige von Dateien in einem bestimmten Format. Sind die Plug-Ins nicht oder nicht korrekt installiert, können die entsprechenden Daten nicht angezeigt werden. Allerdings ist der Flash-Plug-In in den neueren Versionen gängiger Browser bereits enthalten, so dass das Laden und Darstellen von Flash-Dateien für den technisch unbedarften Betrachter keine Hürde mehr darstellt.
[bearbeiten] Sprache und Klang
Sprache und Klang sind auditive Informationsarten, die vom Menschen über das Ohr aufgenommen werden. Der Mensch ist Sprache als Kommunikationsmittel gewöhnt und verwendet sie täglich, normalerweise im Dialog mit anderen Menschen. Sprache ist die auditive Repräsentation von Schrift; oder andersherum - Schrift ist die visuelle Repräsentation von Sprache - die Sprache war schließlich zuerst da. Klang wird bei Aufnahme über das Ohr als Musik oder Geräusch interpretiert und kann mit gesprochener oder gesungener Sprache kombiniert werden.
Da es ohne spezielle Technik eher schwierig ist, Sprache bzw. Klang selbst zu erzeugen und in Multimedia Präsentationen oder Anwendungen einzubinden, wird hier nicht weiter auf technische und gestalterische Parameter eingegangen und für weitere Ausführungen auf Jarz 1996 und Holzinger/Technik 2000 verwiesen. Bei Holzinger werden auch die Spezifika der verschiedenen Dateiformate für Sprache und Klang erläutert.




