Gender Mainstreaming praktisch
Aus Fachkompetenzen zu E-Learning in Mecklenburg-Vorpommern
Die Anwendung von Gender Mainstreaming im Kontext von E-Learning bedeutet, das soziale Geschlecht aller Projektbeteiligten in allen Phasen des Entwicklungsprojektes zu berücksichtigen. Dabei wird natürlich einerseits auf die Lernenden, andererseits aber auch auf die am Projekt beteiligten Entwickler orientiert. Es sollte Ziel des Entwicklungsprojektes sein, die gleichberechtigte Teilhabe von Männern und Frauen – in all ihrer Unterschiedlichkeit – an der Entwicklung und Nutzung von E-Learning-Angeboten zu ermöglichen.
Bei der Beschreibung der Vorgehensweise zur Entwicklung von E-Learning-Angeboten wurden die folgenden Anwendungsfelder von Gender Mainstreaming berücksichtigt:
[bearbeiten] Frauen und Männer in den Rollen des Entwicklungsprojektes
Situation
In der Praxis lässt sich immer wieder beobachten, dass die einzelnen Rollen in einem Entwicklungsprojekt nicht ausgewogen mit Männern und Frauen besetzt sind. Zum einen sind höhere Hierarchieebenen wie zum Beispiel das Projektmanagement, zum anderen sind Rollen mit starker technischer Ausrichtung wie zum Beispiel IT-Entwickler, Fachautor und Lehrender in technischen Themengebieten eher von Männern besetzt. Hingegen arbeiten tendenziell mehr Frauen als Didaktiker/innen und als Lehrende für soziale Themengebiete. Daraus kann sich eine Reihe negativer Konsequenzen ergeben:
- Nach dem Prinzip der Ähnlichkeit (ein allgemeines Prinzip für soziale Prozesse) orientieren sich Männer tendenziell an Männern, Frauen an Frauen. In einem Projekt mit männlicher Führungsebene fällt der Frauenanteil meist geringer aus als bei einer gemischten oder frauendominierten Führungsebene.
- Zwischen (eher) weiblichen Didaktikerinnen und (eher) männlichen IT-Entwicklern verläuft eine unsichtbare Trennung.
- Den lernenden Frauen fehlen in technischen Bereichen weibliche Vorbilder. Männern fehlen männliche Vorbilder in sozial orientierten Bereichen.
Maßnahmen in den Phasen »Analyse« und »Durchführung«
- Bei Personalentscheidungen (Stellenbesetzung, Bindung von Honorarkräften) wird Geschlechterparität angestrebt. In Bereichen, wo Frauen (oder Männer) deutlich unterrepräsentiert sind, wird gezielt nach qualifiziertem weiblichem (oder männlichem) Personal gesucht.
- Die am Entwicklungsprojekt beteiligten Personen werden in der gendersensitiven Gestaltung von E-Learning-Angeboten weitergebildet.
- IT-Entwicklerinnen und IT-Entwickler arbeiten bei der Umsetzung von Lehr-/Lernmedien eng mit Didaktiker/innen zusammen. Es kommt zu einer Verbindung zwischen didaktischen und technischen Kompetenzen.
[bearbeiten] Unterschiedliche Lebenssituationen der Lernenden
Situation
Entgegen der Annahme, dass E-Learning-Angebote aufgrund der örtlichen und zeitlichen Flexibilität ideal für Mütter mit kleineren Kindern geeignet seien, nimmt diese Gruppe solche Angebote unterdurchschnittlich wahr. Berufstätigkeit und die berufsbegleitende Weiterbildung sind für Mütter (und Väter) mit Familienpflichten schwer zu vereinbaren. Hausarbeit und Kinderbetreuung sind anspruchsvolle Aufgaben und lassen kaum geregelte freie Zeit.
Maßnahmen in den Phasen »Analyse« und »Durchführung«
- Die notwendige Lernzeit für das gesamte E-Learning-Angebot und dessen einzelne Module wird angegeben.
- In die Lernberatung wird die Familiensituation der an einer Teilnahme interessierten Frauen und Männer einbezogen. Dabei wird die traditionelle familiäre Rollenteilung hinterfragt.
- Die Themen Zeitmanagement, Lerntechniken sowie Vereinbarkeit von Familie und Beruf bzw. Weiterbildung werden bei Bedarf als Inhalte in das E-Learning-Angebot aufgenommen.
- Es wird Kinderbetreuung während der Präsenzveranstaltung (vielleicht auch während der Selbstlernphasen) angeboten bzw. organisiert.
- Es werden unterschiedliche Taktungen des E-Learning-Angebotes, zugeschnitten auf das Zeitbudget der Lernenden, ermöglicht.
- Bei den Lehr-/Lerninhalten wird unterschieden zwischen grundlegenden Modulen, vertiefenden Modulen und Modulen die Randthemen behandeln. Dies wird im Lehr-/Lernmaterialien angegeben.
- Die gegenseitige Unterstützung der Lernenden durch Kommunikation, Kooperation und Kollaboration wird gefördert.
[bearbeiten] Lehr-/Lerninhalte
Situation
Männer und Frauen fühlen sich von den Lehr-/Lerninhalten häufig nicht gleichermaßen angesprochen. Das kann zum einen daran liegen, dass diese sich oft einseitig an meistens männlichen Interessen und Lebenserfahrungen orientieren. Zum anderen erschweren abstrakte und streng fachbezogene Darstellungen (nicht nur) Frauen das Lernen.
Maßnahmen in den Phasen »Detailkonzepte« und »Umsetzung«
- Die Lehr-/Lerninhalte beziehen sich auf unterschiedliche Lebenszusammenhänge und Praxisfelder von Männern und Frauen aus der Zielgruppe. Zum Beispiel können in einem E-Learning-Angebot zum Thema »Webdesign« Ratgeberseiten für Eltern von Kleinkindern genauso analysiert oder umgesetzt werden wie der Web-Auftritt einer IT-Firma oder eines Sportvereins.
- Es werden Ergebnisse der Geschlechterforschung einbezogen. So können in einem E-Learning-Angebot zu webbasierter Kommunikation und Kooperation Unterschiede im Kommunikationsverhalten zwischen Frauen und Männern thematisiert werden.
- Die Lehr-/Lerninhalte werden anwendungsbezogen dargestellt. Abstraktionen werden durch die Darstellung eines Kontextes oder von Beispielen ergänzt.
- Es werden Möglichkeiten der fachübergreifenden Bearbeitung von Fragestellungen genutzt.
[bearbeiten] Lehr-/Lernformen
Situation
Menschen entwickeln unterschiedliche Lernkulturen. So lernen Frauen eher (aber nicht nur) kommunikativ, während Männer sich eher (aber nicht nur) als Einzel-Lernende sehen. Wenn durch den didaktischen Ansatz und seine Umsetzung eine den Bedürfnissen der Lernenden nicht gemäße Lernkultur einseitig gefördert wird, so kann der Lernerfolg beeinträchtigt werden – bis hin zum Abbruch des E-Learning-Angebotes.
Maßnahmen in der Phase »Detailkonzepte«, in Grundzügen auch schon in den Phasen »Analyse« und »Rahmenkonzept«
Lehr-/Lernformen werden so ausgewählt, das alle lernenden Männer und Frauen entsprechend der ihnen gemäßen Lernkultur gute Bedingungen vorfinden:
- Es wird auf einen ausgewogenen Wechsel von Methoden, etwa zwischen Frontalunterricht und Gruppenarbeit, Selbstlernen und Kooperation, strukturierter Unterweisung und kreativem Ausprobieren, geachtet.
- Lernende können zwischen unterschiedlichen Lernformen auswählen.
- Die Lernenden erhalten die Möglichkeit, untereinander soziale Beziehungen herzustellen. Das kann zum Beispiel geschehen durch
- Ermöglichung des Kennenlernens in Präsenzveranstaltungen durch Verwendung entsprechender Methoden,
- Bildung von Kleingruppen mit wechselnder Zusammensetzung zur Lösung von Arbeitsaufgaben in direkter oder virtueller Kooperation,
- Möglichkeiten zur Vorstellung in Wort und Bild auf der Lernplattform,
- Schaffung von Gelegenheiten zur informellen Kommunikation, zum Beispiel durch Pausen oder auch eine gemeinsame Freizeitgestaltung im Zusammenhang mit Präsenzveranstaltungen bzw. durch die Bereitstellung informeller Chats und Foren für Online-Phasen.
- Es wird eine Lernplattform ausgewählt, die soziale Aktivitäten unkompliziert ermöglicht.
- In Selbstlernphasen stellen Lehrende sich als Ansprechpartner/innen zur Verfügung und nehmen während längerer Selbstlernphasen von sich aus Kontakt zu den Lernenden auf.
- Damit die Lernenden virtuell effizient kommunizieren können, werden Kenntnisse und Fähigkeiten zur computerunterstützten Kommunikation (auf der Sach- wie auf der Beziehungsebene) vermittelt.
[bearbeiten] Darstellung der Geschlechter in Lehr-/Lernmaterialien
Situation
Frauen werden in Wort, Bild und Ton seltener oder gar nicht dargestellt. Zum Beispiel ist die Aussage »Der Mensch ist der Bruder des Schimpansen« nur eine unter vielen ähnlichen. Nicht wenige Materialien vermitteln den Eindruck, dass die Bevölkerung vor allem aus weißen Männern im Alter zwischen 25 und 50 Jahren bestände. Werden Frauen abgebildet, so werden dabei oft Klischees reproduziert: zum Beispiel der Mann, der ein Experiment ausführt und die Frau, die daneben steht und protokolliert.
Maßnahmen in den Phasen »Detailkonzept« und »Umsetzung«
- In Texten, Audio, Bildern, Video und Animationen kommen Männer und Frauen (auch Alte und Junge, Menschen mit verschiedenen Hautfarben, unterschiedlichem kulturellem Hintergrund) ausgewogen vor.
- Männer und Frauen werden in unterschiedlichen Tätigkeiten und Positionen dargestellt, zum Beispiel in der Firma wie in der Küche, als Anordnende wie als Anordnungen Ausführende, etc.
- In Texten werden durch die Personenbezeichnungen beide Geschlechter sichtbar gemacht, zum Beispiel Studentinnen und Studenten, oder geschlechtsneutrale Bezeichnungen verwendet, zum Beispiel Studierende. Dies gilt insbesondere für die persönliche Ansprache der Teilnehmenden.
[bearbeiten] Anforderungen an die technische Ausrüstung der Lernenden
Situation
Einkommensunterschiede wie auch unterschiedliche Prioritäten können dazu führen, dass Computer wie Internetanbindung der Lernenden eine sehr unterschiedliche Leistungsfähigkeit haben. Auf dem neuesten technischen Stand sind eher Männer.
Maßnahmen in den Phasen »Analyse«, »Rahmenkonzept« und »Durchführung«
- Bei der Festlegung der technischen Zugangsvoraussetzungen wird sich an den Möglichkeiten der Zielgruppe orientiert.
- Es werden vom Bildungsanbieter individuelle Lernplätze für die Selbstlernphasen zur Verfügung gestellt.
[bearbeiten] Lehr-/Lernmedien
Situation
Es gibt unterschiedliche Formen des Umgangs mit Informations- und Kommunikationstechnologien. Vor allem (aber nicht nur) Männer lassen sich von deren technischen Möglichkeiten faszinieren, während Frauen eher (aber nicht nur) pragmatisch damit umgehen. Wenn bei der Gestaltung von Lehr-/Lernmedien nur eine Form Berücksichtigung findet, wird Frauen und Männern mit anderen Umgangsformen das Lernen erschwert.
Maßnahmen in den Phasen »Rahmenkonzept«, »Detailkonzepte« und »Umsetzung«
Bei einer gendersensitiven Gestaltung von Lehr-/Lernmedien werden unterschiedliche Formen der Nutzung ermöglicht. Technische und soziale Aktivitäten werden miteinander verbunden. Das kann durch eine Reihe von Maßnahmen erreicht werden:
- Lernende werden zur Nutzung der Lehr-/Lernmedien motiviert, indem Anwendungsmöglichkeiten in der Praxis aufgezeigt werden.
- Die Nutzung von Lehr-/Lernmedien wird technisch weniger versierten Lernenden erleichtert, indem zum Beispiel
- Vorkurse angeboten werden,
- vielfältige Unterstützung, zum Beispiel per Telefon, E-Mail, Foren, FAQs, vorgesehen und angeboten wird,
- Ansprechpartner/innen (am besten mit Foto) vorgestellt werden,
- Hilfefunktionen und klare Bedienungsanleitungen, Glossare, Leitfäden vorgesehen werden,
- notwendige Fachausdrücke im Glossar erläutert werden,
- bei komplexen Vorgängen, wie zum Beispiel Downloads und Installationen, eine schrittweise, übersichtliche Führung angeboten wird.
- Lernenden mit ihren unterschiedlichen Vorlieben werden verschiedene Navigationsmöglichkeiten, wie zum Beispiel Sitemaps, Suchfunktionen oder Durchblättern (Browsen), angeboten.
- Den Lernenden werden unterschiedliche Formen der Informationsverarbeitung ermöglicht, zum Beispiel
- durch eine ausgewogene Balance zwischen Brauchbarkeit der Lehr-/Lernmedien und ästhetischer Perfektion der Darstellung,
- indem sich Animationen und Audiotexte jederzeit abbrechen lassen,
- indem unterschiedliche Formen der Darbietung von Inhalten vorgesehen werden (Bildschirmversion, Druckversion),
- indem Offline-Funktionen, Notizfunktionen und Bookmark-Funktionen angeboten werden,
- indem längere Texte nachvollziehbar gegliedert und (Zwischen-)Überschriften eingefügt werden.
- Lernende erhalten die Möglichkeit, Werkzeuge für ihren eigenen Gebrauch selbst zu konfigurieren.
- Den Lernenden wird Kommunikation, Kooperation und Kollaboration erleichtert, zum Beispiel durch
- unkomplizierte Kommunikationswerkzeuge, gerade auch für den (informellen) Kontakt der Lernenden untereinander und für die Arbeit in Kleingruppen,
- Möglichkeiten zum Vorstellen der Lernenden und Lehrenden in Wort und Bild.
- Zugriffs- und Administrationsrechte werden transparent gehalten und die Bildung von Insiderkreisen verhindert.
[bearbeiten] Mediendesign
Situation
Die ästhetischen Vorlieben der Lernenden sind sehr vielfältig. Männer fühlen sich tendenziell eher von technisch-maschinellem Design angesprochen. Dies gilt auch für Lernplattformen, die sich an Action-, Adventure- und Kampfspiele anlehnen. Hingegen werden eher weibliche Vorlieben, zum Beispiel für die Natur oder die zwischenmenschliche Kommunikation, seltener berücksichtigt.
Maßnahmen in der Phase »Umsetzung«
- Es werden unterschiedliche Vorlieben berücksichtigt und Verengungen vermieden.
- Bei Icons, Assistenten, Atavaren etc. wird auf eine ausgewogene Geschlechterzugehörigkeit geachtet.
- Die kulturellen Eigenarten bei der Bedeutung von Farben oder Symbolen, zum Beispiel Grün als Farbe des Islam, werden berücksichtigt.
[bearbeiten] Steuerung des Lehr-/Lernprozesses durch die Lehrenden
Situation
Wenn Männer und Frauen kommunizieren, so entwickeln sie unterschiedliche Kommunikationsstile. Während Frauen vor allem (aber nicht nur) an guten Beziehungen zu ihren Kommunikationspartner/innen interessiert sind, ist es Männern eher (aber nicht nur) wichtig, sich von ihrem Gegenüber abzuheben. Diese Beobachtung gilt für die persönliche wie für die virtuelle Kommunikation.
Maßnahmen in der Phase »Durchführung«
Aufgabe der Lehrenden ist es, für die Lernenden mit ihren unterschiedlichen Kommunikationsstilen entsprechend ihren Lernbedürfnissen optimale Bedingungen für den individuellen Lernprozess zu schaffen. Möglichkeiten der Steuerung gibt es bei Präsenzveranstaltungen, bei der individuellen Betreuung von Selbstlernphasen und bei der Moderation von virtueller Kommunikation und Kooperation in Online-Phasen.
- Durch vorbildhaftes Verhalten und die Entwicklung von Verhaltensregeln in der Lerngruppe schaffen die Lehrenden ein von Wertschätzung und Toleranz geprägtes Lernklima. Alle lernenden Männer und Frauen werden ermutigt, mit ihren Beiträgen, Fragen, Kritiken den Lernprozess zu gestalten. Lernschwierigkeiten, Wissenslücken und Fehler werden als normaler Bestandteil eines Lernweges angesehen. Abwertende oder beleidigende Bemerkungen – insbesondere sexistische Anspielungen – werden in Präsenzveranstaltungen wie auf der Lernplattform sanktioniert.
- Dominantem Verhalten von Männern oder auch Frauen wird entgegengesteuert, zum Beispiel durch Vereinbarungen zur Begrenzung der Redezeit. Die Lehrenden wenden ihre Aufmerksamkeit verstärkt den zurückhaltenden Lernenden zu und machen deren Beiträge sichtbar.
- Durch regelmäßiges und gezieltes Feedback wird eine realistische Selbsteinschätzung der Lernenden gefördert und damit falscher Wahrnehmung durch tendenzielle Selbstunter- oder Selbstüberschätzung entgegengewirkt.
- Geschlechterstereotypes Verhalten kann bewusst gemacht werden, etwa wenn Ergebnisse aus Arbeitsgruppen überwiegend von Männern präsentiert und unterstützende Tätigkeiten wie das Protokollieren vor allem von Frauen übernommen werden. Frauen wie Männer werden ermutigt, wenn sie Fähigkeiten jenseits der Geschlechterstereotype entwickeln. Das kann die eindrucksvolle Präsentation einer Frau oder die hilfreiche, beinahe unbemerkte Zuarbeit eines Mannes sein.
- Die Verschiedenheit der Frauen untereinander wie der Männer untereinander wird sichtbar gemacht.
- Zur Erprobung von neuen Konstellationen wird in geschlechterhomogenen (Klein-)Gruppen gearbeitet.
- Konflikte werden bearbeitet. Alle Parteien haben die Möglichkeit, ihre Sicht auf den Konflikt darzustellen. Es wird nach einer Lösung gesucht, welche die Interessen aller Beteiligten berücksichtigt.
- Die Lehrenden arbeiten an der Weiterentwicklung ihrer Lehrkompetenz. Dabei machen sie sich auch mögliche Auswirkungen des eigenen geschlechtsbezogenen Verhaltens als Frau bzw. Mann auf den Lehr-/Lernprozess bewusst. Hilfreiche Mittel dafür sind Supervision, kollegiale Beratung oder auch Weiterbildungen in gendersensitiver Didaktik.
[bearbeiten] Minderheiten in der Lerngruppe
Situation
Wenn es in der Lerngruppe Minderheiten, zum Beispiel aufgrund von Geschlecht, Alter, Herkunft, Religionszugehörigkeit, etc., gibt, so hat dies Auswirkungen auf den Lernprozess. Gruppen zeigen allgemein die Tendenz, Minderheiten (unter 25 – 30 Prozent) zu benachteiligen und/oder ihnen mit übertriebener Aufmerksamkeit und Rücksichtnahme zu begegnen. Der Minderheitsstatus schränkt die Lernenden in ihren Lernaktivitäten ein.
Maßnahmen in den Phasen »Einführung« und »Durchführung«
- Es wird noch vor Beginn des E-Learning-Angebotes aktiv um die Teilnahme von Vertreter/innen aus der sich abzeichnenden Minderheit geworben.
- Bei der Zusammenstellung von Lerngruppen (Gesamtgruppe wie Kleingruppen) wird auf deren Zusammensetzung geachtet. Dabei können auch homogene Gruppen entstehen.
- Weiterhin können die im Anwendungsfeld »Steuerung des Lehr/Lernprozesses durch die Lehrenden« vorgeschlagenen Maßnahmen genutzt werden.
[bearbeiten] Bewertung von Lernerfolgskontrollen
Situation
Wenn Lehrende komplexe Leistungen bewerten, wird das Urteil oft durch Vorurteile subjektiv gefärbt. So werden zum Beispiel in technischen und naturwissenschaftlichen Fächern Mädchen und Frauen bei anonymisierten Verfahren signifikant besser bewertet als bei nicht anonymisierten Verfahren. Weiterhin bestehen Tendenzen, bei Frauen und Mädchen eher das Verhalten als die Leistung zu beurteilen. Vorurteile entstehen auch aufgrund anderer Merkmale der Lernenden wie etwa Alter, Herkunft, Religionszugehörigkeit, etc.
Maßnahmen in der Phase »Durchführung«
- Die Lehrenden machen sich ihre Vorurteile bewusst. Hilfreiche Mittel dafür sind Supervision, kollegiale Beratung oder auch Weiterbildungen in gendersensitiver Didaktik.
- Es werden in einem E-Learning-Angebot unterschiedliche Bewertungsverfahren genutzt, zum Beispiel die anonymisierte Bewertung schriftlicher Leistungen oder standardisierte Tests.
Diese Anwendungsfelder werden in den folgenden Abschnitten detaillierter beschrieben und es werden jeweils praktische Maßnahmen zur Umsetzung von Gender Mainstreaming vorgeschlagen. Weiterhin wird Literatur empfohlen und kommentiert, die unterschiedliche Aspekte des Themas Gender Mainstreaming weitergehend behandelt.
[bearbeiten] Literaturempfehlung
- Brandenberg, Karin (2005):E-Learning im Gender-Kontext. Virtuelle Lernumgebungen als Herausforderung für eine Weiterbildung mit dem Anspruch auf geschlechterparitätische TeilnehmerInnenschaft. Klagenfurt
- gibt einen Überblick über den derzeitigen Forschungsstand zum Thema E-Learning im Gender-Kontext.
- Buhl, Marion/ Gabler, Birgit: (2004): Anregungen für die geschlechtergerechte Verwendung von Personenbezeichnungen. In: Gender-Box[1]. Schwerin Volkshochschulverband Mecklenburg-Vorpommern
- beschreibt verschiedene Möglichkeiten der Gleichbehandlung von Frauen und Männern in der Sprache.
- Derichs-Kunstmann, Karin/ Auszra, Susanne/ Müthing, Brigitte (1999): Von der Inszenierung des Geschlechterverhältnisses zur geschlechtergerechten Didaktik. Bielefeld: Kleine Verlag
- ist eine Zusammenfassung empirischer Erhebungen zu geschlechtsbezogenem Verhalten in traditionellen Präsenzveranstaltungen. Das Buch liefert weiterhin Handlungsansätze für eine gendersensitive Didaktik.
- Jelitto, Marc (2004): Digitale Medien in der Hochschullehre. Gender Mainstreaming & Evaluation[2]
- beschreibt einen Anforderungskatalog zur Berücksichtigung von Gender Mainstreaming in Multimedia-Projekten und im E-Learning, insbesondere in Bezug auf Sprache.
- Schinzel, Britta/ Ruiz Ben, Esther (2002): Gendersensitive Gestaltung von Lernmedien und Mediendidaktik: Von den Ursachen für ihre Notwendigkeit zu konkreten Checklisten[3]
- entwickelt Leitlinien und Checklisten für eine gendersensitive Gestaltung von Lernmedien und Mediendidaktik.
- Steinbrenner, D./ Kajatin, C./ Mertens, E. (2005=: Naturwissenschaft und Technik- (k)eine Männersache: Aktuelle Studien und Projekte zur Förderung weiblichen Nachwuchses in Naturwissenschaft und Technik. Rostock: Ingo Koch Verlag
- ist eine Dokumentation von Tagungen des vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur der Landesregierung MV geförderten Kompetenzzentrums »Frauen für Naturwissenschaft und Technik«.
- Stepanek, Brigitte/ Krull, Petra (2003): Gleichstellung und gendermainstreaming: Ein Handbuch[4]. Schwerin
- gibt eine Begründung für die Notwendigkeit von Gender Mainstreaming und beschreibt mögliche Maßnahmen, Methoden und Instrumente.
- Wählisch, Birgitt/ Kollatz, Heidemarie (2003):Checkliste zur Berücksichtigung von Genderperspektiven bei der Entwicklung neuer Lernsoftware[5]
- entwickelt Checklisten für eine geschlechtergerechte Entwicklung neuer Lernsoftware.
- Wiesner, H. u. a. (2004): Leitfaden zur Umsetzung des Gender Mainstreaming in den "Neuen Medien in der Bildung - Förderbereich Hochschule"[6]
- ist ein Leitfaden zur Umsetzung des Gender Mainstreaming in der Hochschule, speziell im Förderprogramm »Neuen Medien in der Bildung«.
- Gender Mainstreaming: Einführung, Expertinneninterview, zusammenfassende Tipps, E-Learning Podcast aus Mecklenburg-Vorpommern, Sendung 6, [7]
[bearbeiten] Ansprechpartner
- Dr. Maria Pulkenat, freie Referentin und Autorin
