E-Learning Formen

Aus Fachkompetenzen zu E-Learning in Mecklenburg-Vorpommern

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E-Learning wird in der Praxis in vielfältiger Art und Weise umgesetzt. Die Vorteile von E-Learning können in der Praxis nur dann richtig zur Wirkung kommen, wenn die Form des E-Learning entsprechend auf die konkreten Bedingungen in einem Praxisfall angepasst und gestaltet wurde. Nicht jede Form von E-Learning führt automatisch in jedem Fall zu einem Erfolg. Es kommt darauf an, eine für einen Anwendungsfall geeignete Form zu wählen. Dazu muss man einige mögliche Formen kennen und bewerten können.

Inhaltsverzeichnis


[bearbeiten] Klassifizierungsschema

In der Praxis erscheint E-Learning in vielen verschiedenen Ausprägungsformen. Ein mögliches Klassifizierungsschema orientiert sich an den von Euler und Wilbers formulierten Eckpfeilern beim Lernen praktizierte Sozialform, eingesetztes Medium und die Art der Betreuung.

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[bearbeiten] Die Sozialform

Das Lernen erfolgt entweder individuell und einzeln oder vollzieht sich eingebunden in eine Lerngemeinschaft. Hierbei kommen jeweils unterschiedliche Vorteile zum Tragen. Einzellernen schafft die Möglichkeit der Individualisierung, also einer Anpassung von Lernzielen, Aufgaben und Inhalten an den Bedarf eines einzelnen Lernenden. Auch muss dieser keine Kompromisse machen, was das Lerntempo, die Reihenfolge oder Lernzeiten betrifft. Lernen in Gruppen hat wiederum den Vorteil, dass man von einer Vielzahl von Perspektiven auf ein Lernproblem profitieren kann bzw. sich in der Regel in einer Gruppe auch zum Lernen motiviert.

[bearbeiten] Das Medium

Die Form des E-Learning lässt sich durch die Wahl der Parameter für das eingesetzte Medium sehr grundlegend gestalten. Der Begriff Medium steht hier sowohl für ein Mittel zur Kommunikation und wechselseitigen Übermittlung von Informationen, als auch als eigentliches Arbeitsmittel, mit dem die Lernenden interagieren. Kommen mehrere Medien zum Einsatz, ist bei der Beschreibung der Lernform das Leitmedium auszuwählen, welches den Gesamtlernablauf zeitlich taktet und dominiert. Auf das Medium können entweder alle Lernendenden und Lehrenden gleichzeitig oder zeitversetzt zugreifen. Asynchrone Medien bieten einen höheren Grad an Individualität beim Lernen. Synchrone Medien verkürzen bspw. Kommunikationszeiten. Eine charakterisierende Eigenschaft für ein Medium ist auch, ob die Informationsübermittlung Point-to-Point, also zwischen zwei Partnern, oder zwischen mehreren Partnern erfolgen kann. Medien unterscheiden sich auch darin, inwieweit sie Veränderungen von Inhalten zulassen bzw. auf welche Art und Weise Lernende darauf zugreifen können, ob über ein Computernetz oder nur lokal auf einem bestimmten Computer.

[bearbeiten] Die Betreuung

Ebenso sehr kennzeichnet für die Form des E-Learning ist der angebotene Grad an Betreuungsleistung. Unbetreutes Lernen bietet ein Höchstmaß an zeitlicher Flexibilität, Geschwindigkeit beim Lernen oder der Reihenfolge der Inhalte und auf Grund des geringen Aufwandes auf der Anbieterseite sind unbetreute Lernangebote für Lernende oft kostengünstig. Betreuung gilt hingegen besonders bei langfristig angelegten oder komplexen Bildungsmaßnahmen als zentraler Erfolgsfaktor. Sie bedeutet für Lernende Hilfe bei organisatorischen, technischen und inhaltlichen Fragen und ist eine Möglichkeit, die Lernmotivation aufrecht zu erhalten bzw. das selbstgesteuerte Lernen zu organisieren. Die Intensität der Betreuung kann dabei hinsichtlich des Selbst- bzw. Fernsteuerungsgrades variiert werden. Die eInstruktion entspricht einer elektronisch gestützten Unterweisung, wobei hier die Steuerung des Lernprozesses durch die Lehrenden sehr ausgeprägt ist. Der gegenüber liegende Pol wäre das eCoaching, wobei Lehrende hinsichtlich der Betreuung eher die Funktion eines Lernbegleiters einnehmen und die Lernenden so mehr Freiheiten genießen, den Lernablauf selbst zu bestimmen. Für die Charakterisierung einer Form des E-Learning ist weiterhin die Taktung, d.h. Vorgabe von Zeitpunkten im Lernablauf, wichtig. Sie hat großen Einfluss auf die Möglichkeit zur Betreuung, aber auch Auswirkungen auf eine zugrunde liegende Sozialform beim Lernen.

[bearbeiten] Beispiele für typische Szenarien im E-Learning

Nachfolgend werden einige Beispiele für Formen des E-Learning kurz dargestellt und dabei das Klassifizierungsschema verwendet.

[bearbeiten] Medienbasiertes Selbststudium über CD-ROM (CBT)

Medienbasiertes Selbststudium über CD-ROM
Medienbasiertes Selbststudium über CD-ROM

Beim medienbasierten Selbststudium erhalten die Lernenden eine CD-ROM mit Lerninhalten. Diese kann individuell durchgearbeitet werden. Sie kennen diese Form des E-Learnings vielleicht, wenn Sie an die Sprachtrainings denken, die man im Buchhandel erwerben kann. Ein Vorteil dieses Lernszenariums im Vergleich zum Lernen mit einem Buch ist, dass die Inhalte multimedial dargeboten werden können. So lässt sich bei Sprachlernprogrammen beispielsweise auch die richtige Aussprache trainieren. Verglichen mit einem Präsenztraining hat diese Lernform die Vorteile höherer Individualität, was den Lernablauf, die Inhaltswahl, das Lerntempo und die Lernzeiten betrifft. Fehlende Kommunikation mit anderen Lernenden bzw. fehlende Betreuung bergen allerdings auch die Gefahr des Motivationsverlustes beim Lernen. Ebenso können die Inhalte auf der CD-ROM nur schwer aktualisiert werden.

[bearbeiten] Medienbasiertes Selbststudium über Web-Inhalte (WBT)

Medienbasiertes Selbststudium über Web-Inhalte
Medienbasiertes Selbststudium über Web-Inhalte

Diese Form des E-Learning, auch Web Based Training genannt, entspricht in ihren Merkmalen der vorangegangenen Variante, nutzt aber statt einer CD-ROM eine Webseite als Medium zur Übertragung von Informationen. Dadurch ist es einfacher, die Lerninhalte ständig aktuell zu halten. Der technische Aufwand auf der Seite der Lernenden ist jedoch größer, da sie beim Lernen über einen guten Internetzugang verfügen müssen. Natürlich sind auch Mischvarianten bei der Mediendistribution möglich und üblich. Diese Lernform lässt sich, wie nachfolgend gezeigt wird, einfach um Betreuungskomponenten ergänzen.

[bearbeiten] Traditioneller Fernunterricht mit mediengestützter Betreuung

Traditioneller Fernunterricht mit mediengestützter Betreuung
Traditioneller Fernunterricht mit mediengestützter Betreuung

E-Learning bietet günstige Möglichkeiten, die Betreuung in traditionellen Fernstudienszenarien und den Kontakt der Studierenden untereinander zu verbessern. Die Lernenden erhalten für ihr Selbststudium wie bisher Lernmaterialien in gedruckter Form. Die Betreuung kann dann neben Telefon und Brief auch über die flexibleren Möglichkeiten des Internets, wie E-Mail, Diskussionsforum oder Chat erfolgen.

[bearbeiten] Medienbasiertes Fernstudium über CD-ROM (CBT)

Medienbasiertes Fernstudium über CD-ROM
Medienbasiertes Fernstudium über CD-ROM

In dieser Form des E-Learning werden die traditionellen Medien zur Inhaltsvermittlung durch multimediale Lernanwendungen auf CD-ROM ersetzt bzw. ergänzt. Ebenso werden elektronische Mittel genutzt, um eine Betreuung zu realisieren.

[bearbeiten] Medienbasiertes Fernstudium über Web-Inhalte (WBT)

Medienbasiertes Fernstudium über Web-Inhalte
Medienbasiertes Fernstudium über Web-Inhalte

Typisch für diese Form des E-Learning ist die Verwendung einer integrierten Lernumgebung, über die sowohl Lerninhalte abgerufen werden können, als auch die Betreuung erfolgt. Solche Lernszenarien werden häufig auf Basis eines sogenannten Lernmanagementsystems realisiert, über welches der gesamte Lehr- und Lernbetrieb abgewickelt werden kann. Auf dem Markt werden viele solche Systeme mit unterschiedlicher Leistungsfähigkeit angeboten. Zur Auswahl eines konkreten Produkts im Rahmen einer Systemevaluation ist es wichtig, die geplanten Formen des E-Learning für eine konkrete Veranstaltung bereits genau zu kennen.

[bearbeiten] Computer Supported Cooperative Learning (CSCL)

Computer Supported Cooperative Learning
Computer Supported Cooperative Learning

Bei dieser Form von E-Learning, dem sogenannten Computer Supported Cooperative Learning, also kooperatives Lernen mit Unterstützung von Computern, ist die Lernsituation so gestaltet, dass Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit in einer Gruppe von Lernenden gefördert wird. Es geht darum, von anderen und mit anderen zu lernen, wobei die Computertechnik als Kommunikationsmedium genutzt wird. CSCL zählt eher zu den schon erweiterten Formen des E-Learning, da es einige Anforderungen an die Lernenden und die technische Realisierung stellt. Dazu gehört zum Beispiel technische und soziale Kompetenz. Auf individuellem Lernen basierende Formen können in der Praxis mit CSCL kombiniert werden. So ist es möglich, die Lernenden schrittweise an das kooperative Arbeiten heranzuführen.

[bearbeiten] Virtuelles Klassenzimmer, synchrones E-Learning

Virtuelles Klassenzimmer
Virtuelles Klassenzimmer

Das Lernen über ein virtuelles Klassenzimmer ist längst Realität. Eine speziell dafür entwickelte Software simuliert einen Raum, den man über das Internet „betreten“ kann. Hier finden die Lernenden viele Möglichkeiten zur Kommunikation oder gemeinschaftlichen Arbeit an Dokumenten. Typische Funktionen in einem virtuellen Klassenzimmer ist der textbasierte Chat, Kommunikation über Audio und Video, Whiteboards zum gemeinsamen Arbeiten, Application Sharing und gemeinschaftliches Navigieren im World Wide Web (Web Safari) Diese Form des E-Learning wird zum Teamlernen im Unternehmen und Brainstorming erfolgreich eingesetzt.

[bearbeiten] Informelles Lernen

Der Begriff des informellen Lernens wird auf alles Selbstlernen bezogen, das sich in unmittelbaren Lebens- und Erfahrungszusammenhängen außerhalb des formalen Bildungswesens entwickelt. Lernen erfolgt nicht ausschließlich in einem organisierten Rahmen, sondern auch informell. Informelles Lernen ist die Lernform, die wir täglich überwiegend praktizieren und die einen großen Beitrag zum allgemeinen Wissenszugewinn leistet. Informelles Lernen steht als Oberbegriff für sowohl unbeabsichtigtes und unbewusstes beiläufiges Lernen in einem nicht organisierten Rahmen. Lernen ist dabei Mittel zum Zweck und erfolgt aus einer bestimmten Anforderung oder Situation im Lebensalltag heraus. Die Übergänge zwischen informellen und formellem, d.h. beabsichtigten und kursbezogenen Lernen, sind in der Praxis fließend. Das informelle Lernen wird hier thematisiert, weil es eine hohe Affinität zum E-Learning aufweist. Elektronische Medien, wie das World Wide Web mit Diensten wie Google, Wikipedia, unzähligen Weblogs oder thematischen Portalen, sind geradezu für das informelle Lernen prädestiniert.

[bearbeiten] Blended Learning

Blended Learning bezeichnet eine didaktisch sinnvolle Verknüpfung von unterschiedlichen Lernformen im Rahmen einer organisierten und durchgängig betreuten Aus-, Fort- und Weiterbildungsmaßnahme. Blended Learning bedeutet, mehrere Methoden in einer Ausbildung kombiniert einzusetzen. Der Begriff wird heute vor allem für die Kombination von E-Learning und Lernen in Präsenzform bzw. mit verschiedenen Lernmedien verwendet. Es basiert auf der Erfahrung, dass reines E-Learning oder reines Präsenzlernen eine nur begrenzte Lerneffizienz aufweisen. Man versucht, die Vorteile beider Lernformen miteinander zu verknüpfen. Nicht jeder Mensch lernt mit der gleichen Methode gleich gut. Nicht jedes Lernziel lässt sich mit jeder Methode optimal erreichen. Abwechslung in den Methoden fördert Lerninteressen und Motivation. Blended Learning ermöglicht flexible Organisationsformen des Lehrens und Lernens mit individueller Zeiteinteilung und individueller Lernzielsetzung.

[bearbeiten] Didaktische Vielfalt

In seinem Handbuch didaktischer Modelle schreibt Flechsig ein Plädoyer für didaktische Vielfalt. Er begründet die Notwendigkeit verschiedener Formen des Lehrens und Lernens u.a. mit den Tatsachen unterschiedlicher vorhandener Lernstile der Lernenden, der Unterschiedlichkeit von Lernmotivation und Lerninteressen, der Verschiedenheit der Kompetenzen und Wissensgebiete, der Unterschiedlichkeit der Kontexte, Ressourcen und gesetzlichen sowie organisatorischen Rahmenbedingungen und Prüfungssysteme. Wie eingangs erwähnt entwickelt E-Learning seine Stärke aus der Möglichkeit individueller Anpassung von Methode und Inhalt auf die Lernenden. In der Praxis müssen hier oft Kompromisse gemacht werden. Im Sinne der Qualität im E-Learning darf das aber nicht dazu führen, dass alle Bildungsaufgaben nur noch über eine "Supermethode" gelöst werden.

[bearbeiten] Literatur und Referenzen

  • Frank Busch, Thomas B. Mayer: Der Online-Coach, Wie Trainer virtuelles Lernen optimal fördern können, Beltz Verlag, 2002
  • Karl-Heinz Flechsig: Kleines Handbuch didaktischer Modelle, Neuland Verlag für lebendiges Lernen, 1996
  • Dieter Euler, Karl Wilbers: Von technischen Optionen zum didaktischen Mehrwert – eLearning als didaktische Herausforderung, (Preprint) Berufsbildung. Heft 80, April 2003, 57. Jahrgang, S. 3-8

[bearbeiten] Ansprechpartner

Ein Ansprechpartner zu diesem Thema ist Dr. Volker Gries (ANOVA Multimedia Studios GmbH).

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