E-Learning 2.0
Aus Fachkompetenzen zu E-Learning in Mecklenburg-Vorpommern
In Anlehnung an die Begriffsbildung Web und Web2.0 bezeichnet man mit E-Learning2.0 eine neue Sichtweise auf das E-Learning, welche sich durch neue didaktische Möglichkeiten bei der Anwendung von Social Software für das Internet-gestützte Lehren und Lernen ergibt.
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[bearbeiten] Was ist E-Learning2.0
Mit der aktuell zu erkennenden Entwicklung im World Wide Web, die man auch als Web2.0 bezeichnet, kommen althergebrachte Konzepte im Marketing, im Handel oder in der Medienbranche auf den Prüfstand. Diese Entwicklung nimmt auch Einfluss auf das E-Learning. Zuvor klar definierte Grenzen zwischen Lernenden und Lehrenden, lokal verfügbaren und entfernten Lernanwendungen und privater oder öffentlicher Lerntätigkeit verschwimmen miteinander. Unmittelbare Auswirkungen des Web2.0, welche die Fachwelt von einer Entwicklung zum E-Learning2.0 sprechen lassen, sind:
- der geförderte Rollentausch zwischen Lehrenden und Lernenden und besonders die wechselseitige Bereitstellung von Lerninhalten (User Generated Content),
- die geförderte Interaktivität, welche über das einfache Blättern in Lernangeboten deutlich hinaus geht,
- die geförderte Aktivität und Übernahme von Verantwortung für das eigene Lernen durch die Lernenden,
- die geförderte Möglichkeit des Lernens an nicht mehr fest vorgegebenen Standorten (überall) und mit variabler Technik (stationär, mobil),
- die geförderte Möglichkeit des Lernens zu nicht mehr vordefinierten Zeiten (ständig, Verknüpfung von formalen und informellen Lernprozessen),
- die Förderung des Austauschs beim Lernen, sozialer Interaktion und die Unterstützung des Teilens von Wissen, da Lernen nicht mehr nur privat, sondern im Rahmen einer Aktivität erfolgt, die öffentlich sichtbar ist (z.B. über Weblogs),
- der Einsatz selbst gewählter generischer Werkzeuge (Social Software), die eine eigene Content-Aggregation und Kommunikation/Kooperation ermöglichen und fördern,
- die Schaffung von Portalen statt "Wissensinseln", "Tore" im Web, die es Lernenden ermöglichen, sich frei und selbst gesteuert zu entfalten und selbst zu entscheiden, was wie genutzt wird.
Damit passt E-Learning2.0 hervorragend zum aktuellen Trend konstruktivistischer Lernumgebungen. Typische Elemente konstruktivistisch orientierten Lernens, wie Problemorientierung, Lernerzentrierung, Kollaboration, soziale Eingebundenheit, Interaktivität, Lernunterstützung (Feedback, Modeling, Coaching, Scaffolding) und der Einsatz kognitiver Werkzeuge können sehr gut über die dem Web2.0 und E-Learning2.0 aktuell zugerechneten Anwendungen, wie Weblogs, Podcasting, Wiki oder Instant Messenging implementiert und unterstützt werden. Weblogs werden im Lernkontext bspw. zur kritischen Reflektion von Inhalten genutzt und bieten einen hohen Grad an Authentizität. Feedbackmöglichkeiten fördern die Kooperation und aktive Beteiligung. Podcasts stellen eine mediale Bereicherung von Lernangeboten dar und werden bspw. eingesetzt, wenn man Experteninterviews für Lernzwecke nutzen möchte. Sie bieten ebenso eine akustische Unterstützung bei fallbasiertem Lernen, so etwa bei der Darstellung eines Fallbeispiels. Wikis bieten als ultimative Anwendung für das konstruktivistische Lernen einen Raum zur gemeinschaftlichen Problembehandlung, kognitive Werkzeuge, sind auf die Lernenden ausgerichtet, eignen sich zur Bildung von Communities beim Lernen und bieten neben interaktiven Mitgestaltungsfunktionen viele Funktionen zur Lernunterstützung.
[bearbeiten] Anforderungen an Lernende und Lehrende beim E-Learning2.0
E-Learning2.0 funktioniert nicht einfach durch Bereitstellung eines entsprechenden Bildungsangebotes mit einem entsprechenden informationstechnischen Kontext. E-Learning2.0 stellt u.a. folgende Anforderungen an Lernende, Lehrende und die Inhalte eines Bildungsangebotes:
So müssen Lernende:
- über Kenntnisse, Fähigkeiten, Fertigkeiten und Erfahrungen im Umgang mit Computer und Internet verfügen,
- regelmäßig (bis permanent) sowie kostengünstig Zugang zum Internet haben,
- über Motivation, Selbstdisziplin und die Fähigkeit zur Selbstorganisation verfügen,
- an Kommunikation, Kooperation, Kollaboration mit anderen Lernenden interessiert und dazu bereit sein,
- die Dienste und Anwendungen des Web2.0 kennen oder ihnen zumindest aufgeschlossen gegenüber stehen und bereit sein, diese kennenzulernen.
Lehrende müssen die Voraussetzungen an Lernende erfüllen und darüber hinaus
- bereit sein, die Kontrolle (oder zumindest einen Teil der Kontrolle) über Lernprozesse und Lernergebnisse an die Lernenden abzugeben.
Die Inhalte eines Bildungsangebotes müssen Anlass zur Kommunikation, Kooperation und/oder Kollaboration bieten, so dass sich E-Learning2.0 auch sinnvoll und zielführend anwenden bzw. einsetzen lässt.
[bearbeiten] Literatur und Referenzen
- Joyce Seitzinger (2006): Be Constructive: Blogs, Podcasts, and Wikis as Constructivist Learning Tools, The eLearning Guild’s Learning Solutions, Practical Applications of Technology for Learning, e-Magazine, 31.07.2006
- Stephen Downes (2006): E-learning 2.0, National Research Council of Canada [1]
- Michael Kerres (2006): Web 2.0 and its implications for elearning, Podcast Beitrag zum Vortrag des Autors auf der Microlearning Conference in Innsbruck, 9. Juni 2006 [2], [3]
- Bryan Alexander (2006): Web 2.0 - A New Wave of Innovation for Teaching and Learning? [4]
- Jürk Stuker (2007): Vergleich: Blog, Wiki, Forum, Computerwoche, 03.12.2007, [5]
[bearbeiten] Ansprechpartner
Ein Ansprechpartner zu diesem Thema ist Dr. Volker Gries (ANOVA Multimedia Studios GmbH).
