Computergestütztes kooperatives Lernen

Aus Fachkompetenzen zu E-Learning in Mecklenburg-Vorpommern

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Dr. Sybille Hambach (Fraunhofer IGD Rostock)

Computergestütztes kooperatives Lernen (CSCL für Computer Supported Cooperative Learning) bezeichnet eine Lehr-/Lernform (als Unterform des E-Learnings), deren wesentliche Merkmale in der gemeinsamen Erarbeitung der Lehr-/Lerninhalte und in der Computerunterstützung liegen. Es sind sowohl betreute als auch unbetreute Formen möglich, CSCL ist auch nicht für alle Zielgruppen, Bildungsbedarfe oder Kontexte gleich gut geeignet, hier ist im Vorfeld ein entsprechendes systematisches Vorgehen zur Auswahl einer geeigneten Methode notwendig.

Inhaltsverzeichnis

[bearbeiten] Vorteile

  • CSCL ermöglicht die räumliche und zeitliche Entkopplung von Lehr- und Lernprozessen, die räumliche und zeitliche Trennung von Lehrenden und Lernenden. Damit werden Lehr-/ Lernprozesse ermöglicht, die ohne CSCL zu teuer, räumlich bzw. zeitlich oder aus anderen Gründen unmöglich wären.
  • Durch empirische Studien sind für betreutes CSCL eine gegenüber anderen Formen von E-Learning höhere Akzeptanz, eine effektivere Nutzung digitaler Lehr-/ Lernmaterialien sowie eine höhere Involviertheit, Motivation und Zufriedenheit der Lernenden belegt.
  • Durch CSCL ist eine adäquate, dem individuellen Lernprozess angemessene Unterstützung von Lernenden durch andere Lernende bzw. durch Lehrende möglich. So können Lernende zum Beispiel auf sie zugeschnittene Hilfen und Rückmeldungen erhalten oder bei Verständnis- oder Transferproblemen individuell beraten und betreut werden.
  • CSCL ermöglicht es dem Lernenden, sich neues Wissen aktiv und selbstgesteuert zugleich aber auch im Austausch mit anderen Lernenden und Lehrenden anzueignen. Es ist davon auszugehen, dass in Gruppen eine größere Informationsmenge und vielfältigere Kommunikationssituationen zur Verfügung stehen, die wiederum multiple Perspektiven und in der Folge eine objektivere Betrachtung des Erlernten sowie weiterhin vergleichsweise häufiger die Möglichkeit zur kognitiven Elaboration des Erlernten und in der Folge eine bessere Verknüpfung neuer Informationen mit bereits vorhandenem Wissen bieten.
  • CSCL ermöglicht neben dem Erlernen von Fakten die umfassende Entwicklung von Kompetenzen. So können zum Beispiel die Förderung von Sozialkompetenz infolge der Notwendigkeit von sozialer Interaktion und die Förderung von Medienkompetenz infolge der Auseinandersetzung mit neuen Medien angenommen werden.
  • CSCL bietet ein Gegengewicht zu (befürchteten) sozialen Vereinsamung von computergestützt Lernenden. Durch vielfältige Möglichkeiten der Kommunikation und der Interaktion von Lernenden miteinander und mit Lehrenden wird der (befürchteten) »Entpersonalisierung« des Lernens entgegen gewirkt.

[bearbeiten] Mögliche Probleme

  • CSCL stellt hohe Anforderungen an die Lernenden und erfordert insbesondere umfangreiche Medien-, Selbstorganisations- sowie kommunikative Kompetenzen. Hinzu kommen Anforderungen an die technische Ausstattung der Computer-Arbeitsplätze von Lehrenden und Lernenden (Hardware, Software, Netzanbindung) sowie die mit dieser Ausstattung verbundenen Kosten.
  • CSCL kann auf eine Vielzahl von Kommunikationswerkzeugen zurückgreifen. So werden zum Beispiel text-, audio- und videobasierte Werkzeuge, synchrone und asynchronen Werkzeuge, kontextfreie und kontextualisierte bzw. kontextualisierende Werkzeuge unterschieden. Sie bieten jeweils ganz unterschiedliche Möglichkeiten zur Realisierung von Kommunikations- und Interaktionssituationen, die aber – im Vergleich zur Kommunikation in Präsenz (Face-to-Face) in unterschiedlichem Maße – auf die Übertragung sozialer und nonverbaler Hinweise verzichten (müssen). Entsprechend der Kanalreduktionstheorie kann soziales und kommunikatives Fehlverhalten entstehen, dass die inhaltliche Auseinandersetzung bei (betreutem) CSCL zusätzlich erschwert.
  • Insbesondere bei asynchroner Kommunikation wird ein Nachrichtenzyklus (Erstellen, Senden, Empfangen, Beantworten einer Nachricht) zeitlich entkoppelt. Es entstehen Kommunikationssituationen, die aus mehreren, ineinander geschachtelten Nachrichtenzyklen bestehen. Dies führt wiederum zu einem erhöhten Koordinierungsaufwand für oder sogar zu Missverständnissen während der computergestützten Kommunikation.
  • Entsprechend dem Ringelmann-Effekt ist die Leistung von Personen in Gruppen geringer als die Summe der Einzelleistungen dieser Personen. Es wird angenommen, dass dies auch bei CSCL zutrifft und auf Prozessverluste (Kommunikation, Koordinierung, Motivation etc.) zurückzuführen ist. In der Folge können bei CSCL Effekte wie zum Beispiel soziales Faulenzen (die Gruppenleistung wird nur von einigen Gruppenmitgliedern erbracht), Mittelmaß (die Gruppe einigt sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner), Verantwortungsdiffusion (einzelne/alle Gruppenmitglieder verlassen sich auf andere) und Groupthink (mangelnde Reflektion der Gruppenergebnisse) auftreten. Der gegenüber Präsenzgruppen erheblich erhöhte Koordinierungsaufwand kann weiterhin zu ineffizienter Zusammenarbeit, erheblichen Zeitverlusten sowie zu geringer Kohärenz der Gruppenergebnisse führen.
  • Betreutes CSCL kann von extrem selbstbestimmt Lernenden gegenüber anderen Formen von E-Learning als relativ fremdgesteuert wahrgenommen werden. Dazu tragen insbesondere eine enge zeitliche Taktung der Kommunikation, enge Vorgaben bezüglich Lehr-/Lerninhalten bzw. Lernaufgaben und der wahrgenommene »Zwang« zur Gruppenarbeit bei. Eine Einbindung in die Gruppe kann erfolgen, indem insbesondere auch diesen Lernenden durch Übertragung von Verantwortung und Entscheidungsbefugnissen ein Autonomie- und Kompetenzerleben ermöglicht wird.

[bearbeiten] Einsatzgebiete

  • Lehrende und Lernende befinden sich zu unterschiedlichen Zeiten an unterschiedlichen Orten. Traditionelle Präsenzveranstaltungen sind nicht möglich, so dass computergestützt kommuniziert und interagiert werden muss.
  • Es ist solcherart Wissen zu erwerben, welches sich Lernende in kleinen Gruppen in Kommunikation und zielgerichteter Interaktion miteinander und/oder mit einem betreuenden Lehrenden selbstgesteuert aneignen können. Die Arbeit in der Gruppe profitiert, wenn sich die Lernenden auf vergleichbarem aber heterogenem Wissensniveau befinden.
  • Die Lehr-/Lerninhalte sind derart angelegt, dass sie es möglich und notwendig machen, von und mit anderen zu lernen.
  • Die Lehr-/Lernaufgaben sind anwendungs- und problemorientiert, alltagsnah und authentisch. Sie fördern die selbstgesteuerte Wissenskonstruktion und bieten den Lernenden adäquate Möglichkeiten zur Selbstorganisation.
  • Die Lehr-/Lerninhalte sind derart zusammengesetzt, dass ihre kognitive Elaboration durch die Diskussion multipler Perspektiven unterstützt, erleichtert bzw. überhaupt erst ermöglicht wird.

[bearbeiten] Literatur

  • Döring, Nicola (2003): Sozialpsychologie des Internet. Die Bedeutung des Internet für Kommunikationsprozesse, Identitäten, soziale Beziehungen und Gruppen. Göttingen: Hogrefe.
  • Haake, Jörg/Schwabe, Gerhard/Wessner, Martin (Hrsg.) (2006): CSCL-Kompendium. Lehr- und Handbuch zum computerunterstützten kooperativen Lernen. München: Oldenbourg.
  • Hinze, Udo (2004): Computergestütztes kooperatives Lernen. Einführung in Technik, Pädagogik und Organisation des CSCL. Waxmann.
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